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Schulbauernhof: Der nachhaltigen Landwirtschaft auf der Spur

Immer ausgebucht: Jährlich besuchen fast 50 Kinder- und Jugendgruppen den Schulbauernhof im Bielefelder Stadtteil Ummeln. Über mehrere Tage erleben sie dort den Alltag einer nachhaltigen Landwirtschaft. Beim Ernten, Ausmisten, Kochen, Tümpeln und Werkeln schlüpfen sie selbst in die Rolle kleiner Landwirtinnen und Landwirte.

Im April 2022 tauchte eine dritte Klasse der Grundschule Quelle für eine ganze Woche in das Bauernhofleben ein. Insgesamt beherbergte der Hof mit seinen 10 bis 15 dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 23 Kinder. Sie nehmen die Mädchen und Jungen den ganzen Tag über in ihre Alltagsaufgaben mit hinein. "Dabei geht es nicht darum, dass jeder und jede alles mitmacht", erklärt Betriebsleiterin Sigrid Kownatzki, die gemeinsam mit Gabriele Ankewitz den Hof führt. "Jedes Kind erlebt ein individuelles Programm." In kleinen Gruppen können die Kinder sich für bestimmte Aufgaben entscheiden und lernen dort situativ alles, was sie über Schweinehalten, Gemüseanpflanzen und nachaltiges Wirtschaften wissen sollten.

"Selbst die Wurstscheibe hat bei uns einen Namen"

"Wir bereiten das Mittagessen zu", erklärt uns ein Drittklässler, der sich heute für das Kochteam entschieden hat. "Es gibt Kartoffelgratin mit Gemüse." Nach dem gemeinsamen Frühstück nimmt das Kochteam seine Arbeit auf. Im Nebenzimmer werden bereits alle Zutaten für einen Applecrumble-Nachtisch abgewogen. "Viele Lebensmittel stellen wir hier auf dem Hof selbst her. Im Spätsommer, wenn wir mit den Kindern Kohl, Möhren, Pastinaken, Fenchel, Tomaten, Gurken, dicke Bohnen und vieles mehr ernten, gibt es in der Küche eine große Vielfalt", gibt Kownatzki einen Einblick. "Für die Kinder ist es großartig, selbst zu ernten und dann auch zu verkosten. "Auch die Wurstscheibe auf dem Brot und die Frikadelle auf dem Teller haben bei uns einen Namen. So erfahren die Kinder, dass unsere Nutztiere natürlich auch geschlachtet werden. Gleichzeitig vermitteln wir ihnen, dass man die Tiere auf unterschiedliche Art und Weise halten kann. Wenn die Kinder möchten, dass die Schweine, Hühner und Kaninchen so gut leben wie auf unserem Bauernhof, dann müssen sie weniger Fleisch essen und mehr dafür bezahlen."

Währenddessen bürstet die Betriebsleiterin den Eber namens "Rasmus" - ein Schwäbisch-Hallisches Landschwein. Die Rasse besticht durch ihre Größe und Widerstandsfähigkeit. "So ein großer Eber kann sehr gefährlich sein", erklärt sie." Mit ein wenig Abstand und einem langen Besenstiel dürfen die Kinder ihn aber bürsten. Er genießt das ganz besonders." Aufgrund seines hohen Fettanteils im Fleisch sind die schwäbischen Landschweine in der modernen Landwirtschaft nicht mehr erwünscht. Auf dem Schulbauernhof werden sie aber neben den Bunten Bentheimer Schweinen als Nutztiere gehalten. Dadurch wird die alte Haustierrasse erhalten.

Auf dem Tagesplan: Tümpeln, Kräuter ernten und Amphibienschutz

Im Laufe des Vormittags lässt eine Schülergruppe die 21 Altschafe und 26 Lämmer aus ihrem Stall und treibt sie auf die Weide. Dort bekommen die Coburger Fuchsschafe frisches Gras. "Mittags können die Kinder die niedlichen Lämmer mit dem Fläschchen füttern, das ist bei den Kleinen natürlich eine sehr beliebte Aufgabe", verrät Sigrid Kownatzky uns.

Weitere Kleingruppen haben sich für das Tümpeln, Kräuter ernten oder den Amphibienschutz entschieden. Obwohl sie den ganzen Vormittag draußen beschäftigt sind, macht den Nachwuchslandwirtinnen und -landwirten der starke Regen nichts aus. Mittags finden sie im Speisesaal Unterschlupf und haben dann am Nachmittag auch noch freie Zeit, die sie in der Natur verbringen können. "Abends sitzen die Kinder noch im Aufenthaltsraum zusammen, bevor sie in ihren kleinen Stübchen zur Nachtruhe verschwinden. 

"Das Schönste war: Wir durften laut sein und waren viel draußen!"

"Am Ende so einer Woche fragen wir die Kinder, was ihnen besonders gut gefallen hat", schließt die Landwirtin. "Die meisten sagen, dass es toll war, dass sie laut sein durften und so viel draußen waren. Das zeigt mir immer wieder, dass das praktische Lernen auf dem Schulbauernhof eine sehr willkommene Abwechslung zum Schulunterricht im Klassenzimmer ist. Viele kommen das erste Mal mit dieser körperlichen Arbeit in Berührung." Ihr Wunsch sei es, dass so viele Kinder wie möglich diese Erfahrung machen und dadurch langfristig eine positive und bewusste Einstellung zur nachhaltigen Landwirtschaft entwickeln. 

Ihr Dank gilt allen finanziellen Unterstützern des Schulbauernhofes. "Ohne die vielen finanziellen Förderungen wäre unsere Arbeit nicht möglich", macht sie deutlich. "Die Förderung des Bauernhofes über mehrere Tausend Euro im Jahr durch die Sparkassenstiftung im Rahmen der Naturschule ist einer der Beiträge, der uns über Wasser hält. Besonders schätzen wir, dass wir diese Gelder auch während der Coronapandemie erhalten haben und so diese lange kräftezehrende Zeit überbrücken konnten." 

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