Stiftung aktuell
6. Juli 2018

Der Bielefelder Wissenschaftspreis 2018 geht an Frau Professorin Barbara Stollberg-Rilinger

Der von der Stiftung der Sparkasse Bielefeld vergebene Bielefelder Wissenschaftspreis, der dem Gedenken an den großen Bielefelder Soziologen Niklas Luhmann gewidmet ist, geht in diesem Jahr an die Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger (63) von der Westfälischen Wilhelms-Universität, Münster.

„Mit Frau Prof. Stollberg-Rilinger wird eine Wissenschaftlerin geehrt, die nicht nur zu den herausragendsten Vertreterinnen ihrer Disziplin gehört, sondern die mit großer intellektueller Neugier immer auch fachliche Grenzen überschritten hat“, erläutert Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer, Rektor der Bielefelder Universität, die Entscheidung der Jury, deren Vorsitzender er ist.

Zurzeit hat Barbara Stollberg-Rilinger den Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Münster inne, im Herbst wird sie ihr neues Amt als Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin antreten. Sie ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien und wurde vielfach für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur politischen Bedeutung von Ritualen, Zeremonien und Symbolen in der Frühen Neuzeit ausgezeichnet.

Fremdartige Epochen interessieren die Historikerin besonders

„Mich interessieren die Epochen, die fremdartig sind“, sagte Barbara Stollberg-Rilinger einmal in einem Interview. Mit ihrem Programm einer Kulturgeschichte des Politischen hat sie nicht nur der Geschichtswissenschaft eine neue Sichtweise auf die Praktiken von Macht und Herrschaftsausübung erschlossen. In ihren Büchern, die weit über die Grenzen des Faches hinaus gelesen werden, gelingt es ihr, diese Fremdartigkeit anschaulich und verständlich zu machen, ohne die Differenz zwischen damals und heute aufzugeben oder die Frühmoderne als eine Phase des „noch nicht“ zu beschreiben.

Dass die sogenannte „Vormoderne“ nicht vor-modern war, sondern mit ihren Problemen anders, aber nicht weniger rational umging, belegt Barbara Stollberg-Rilinger in ihren beiden wohl bekanntesten Büchern „Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches“ (2008) und in ihrer umfangreichen Biographie über Maria Theresia (2017), die den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse erhalten hat und in kurzer Zeit mehrfach aufgelegt wurde. Diese beiden Werke sind der Höhepunkt ihres Programms, das sie in einer Vielzahl von Einzelstudien ausgearbeitet und in der Ausstellung „Spektakel der Macht. Rituale im Alten Europa 800-1800“ im wörtlichen Sinne sichtbar gemacht hat. 

Niklas Luhman spielte für Stollberg-Rillinger eine wichtige Rolle

„Barbara Stollberg-Rilinger hat in ihrer Forschung immer über die Grenzen ihres Faches hinausgeblickt und ihre Anregungen etwa aus der Soziologie und nicht zuletzt auch von Niklas Luhmann bezogen“, so Gerhard Sagerer. „Auch aus diesem Grund ist Barbara Stollberg-Rilinger nach Meinung der Jury eine würdige Preisträgerin für einen Preis, der in Erinnerung an einen großen Soziologen vergeben wird, der sich ebenfalls von eingeschliffenen intellektuellen und fachlichen Grenzen nie beirren ließ.“ 

Die Preisverleihung findet Anfang kommenden Jahres statt.

Die Laudatio auf die Preisträgerin hält Prof. Dr. Jürgen Osterhammel, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz.

Kurzvita der Preisträgerin Barbara Stollberg-Rilinger

  • Mitglied in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste
  • Fellow of the British Academy
  • 2017: Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse für „Maria Theresia. Die Kaiserin in ihrer Zeit“ und „Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa“ der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

 

Weitere Informationen zum Wissenschaftspreis und zu den Preisträgerinnen und Preisträgern finden Sie auch bei der Universität Bielefeld.

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